Am 6. Februar 2025 habe ich bei MediaMarkt bestellt und den Karton noch am selben Tag in Egelsbach abgeholt. Segway ZT3 Pro D, 11 Zoll, schwarz-rot, 713,45 Euro. Heute stehen knapp 3.000 Kilometer auf der Uhr, und ich kann etwas schreiben, was nach einer Woche Testfahrt niemand schreiben kann.
Das Wichtigste vorweg, damit du nicht bis zum Schluss lesen musst: In diesen knapp 3.000 Kilometern ist nichts kaputtgegangen. Kein Defekt, kein Ersatzteil, keine Werkstatt. Ich habe in anderthalb Jahren keinen einzigen Euro nachgeschossen — nicht mal für Zubehör.
Warum diese 3.000 Kilometer anders sind als andere 3.000 Kilometer
Die meisten Langzeittests entstehen aus Freizeitfahrten. Meine nicht.
Gut ein Jahr nach dem Kauf ist der Zahnriemen meines Autos gerissen — auf der A5, im Überholvorgang neben einem Lkw. Ventil- und Kolbenschaden, Motor hin. Danach stand ich zwei Monate ohne Auto da, während Hersteller, Autohaus und ein Anwalt sich gegenseitig die Verantwortung zuschoben.
In diesen zwei Monaten bin ich zur Arbeit gerollt. Jeden Tag. Rund 2.000 der knapp 3.000 Kilometer stammen aus dieser Zeit. Das heißt: Zwei Drittel dieses Langzeittests sind kein Test, sondern Notbetrieb.
Um fünf aus dem Bett, damit ich mit Scooter-Tempo pünktlich bin. Bei Wind, bei Regen, bei Temperaturen, bei denen man nach 22 Kilometern nicht mehr richtig fühlt, wo die Finger aufhören. Einmal mitten im Gewitter, mit umgestürzten Bäumen auf der Strecke — zwei Umwege, klatschnass, bei Blitz und Donner, auf zwei kleinen Rädern.
Ich hatte den Scooter nicht für diesen Fall gekauft. Er stand einfach da, als ich ihn brauchte. Das ist der Unterschied zwischen einem Gerät, das man testet, und einem, auf das man angewiesen ist.
Die Strecke: 44 Kilometer am Tag
Mein Arbeitsweg sind 22 Kilometer pro Richtung, macht 44 am Tag. Dazu das Fitnessstudio, hin und zurück noch mal rund 25 Kilometer.
Das ist für einen Scooter dieser Klasse eine Ansage. Und es führt direkt zu dem Punkt, an dem Herstellerangaben und Alltag auseinandergehen.
Reichweite: 35 bis 40 Kilometer, und daran hat sich nichts geändert
Im Datenblatt steht: bis zu 70 Kilometer, 597 Wattstunden Akku.
Real komme ich 35 bis 40 Kilometer weit. Also grob die Hälfte.
Das klingt nach einem Vorwurf, ist aber keiner — es ist Physik. Rechne es nach: 597 Wattstunden auf 70 Kilometer wären 8,5 Wh pro Kilometer. Ich verbrauche real rund 16 Wh pro Kilometer, also fast das Doppelte. Der Unterschied steckt in den Bedingungen: Herstellerreichweiten entstehen bei niedriger konstanter Geschwindigkeit, auf ebener Strecke, bei mildem Wetter und mit leichtem Fahrer. Ich fahre Vollgas, mit Steigungen, im Winter, bei Gegenwind.
Der praktische Merksatz daraus, und der gilt für jeden Scooter: Halbiere die Herstellerangabe, dann hast du deinen Alltag. Wer das vor dem Kauf tut, wählt anders.
Für mich heißt das: Es reicht für den Hinweg und einen Teil des Rückwegs, aber nicht für beides. Also lade ich auf der Arbeit zwischen. Das ist der eine Kompromiss, den ich täglich eingehe, und er war von Anfang an so.
Jetzt der Teil, der mich selbst überrascht hat: Diese Reichweite ist nach 3.000 Kilometern nicht schlechter geworden. Kein schleichender Verlust, kein Punkt, an dem ich plötzlich früher ans Kabel musste. Dieselbe Strecke, dieselbe Anzeige.
Bei Akkus ist das die Frage, die über die Lebensdauer eines Geräts entscheidet — und die kein Test nach vier Wochen beantworten kann. Bei mir sind das inzwischen rund 80 volle Ladezyklen im Alltagsbetrieb, oft nicht schonend, oft im Winter. Der Akku steckt es weg.
Was das Fahren kostet
Ich lade fünfmal die Woche zu Hause, bei rund 38 Cent pro Kilowattstunde.
Der Akku hat 597 Wattstunden. Mit Ladeverlusten kommen rund 0,67 Kilowattstunden aus der Steckdose, das sind 25 Cent pro voller Ladung.
| eine volle Ladung | ca. 25 Cent |
| 100 Kilometer | ca. 68 Cent |
| eine Woche (5 Ladungen) | ca. 1,27 Euro |
| knapp 3.000 Kilometer | rund 20 Euro |
Zwanzig Euro Strom für anderthalb Jahre Pendeln. Das ist die Zahl, bei der man kurz innehält.
Richtig interessant wird sie neben den zwei Monaten ohne Auto. Ein Mietwagen über acht Wochen bewegt sich im vierstelligen Bereich. Der Scooter hat in dieser Zeit für ungefähr zwölf Euro Strom dieselbe Aufgabe erledigt — nur langsamer, nasser und kälter.
Der Henninger Turm, oder: warum Steigung der ehrlichste Test ist
In Frankfurt-Sachsenhausen geht es zum Henninger Turm hoch. Ordentliche Steigung — das Datenblatt gibt maximal 25 Prozent an — und für die meisten Scooter der Moment, in dem sie zugeben, was der Motor wirklich kann.
Der ZT3 Pro zieht da hoch, ohne einzubrechen. Mein Display zeigt dabei 22 km/h — und die sind hier keine Randnotiz, sondern ein eigener Punkt.
Warum 22 km/h legal sind, obwohl die Grenze bei 20 liegt
Für Elektrokleinstfahrzeuge gilt in Deutschland eine bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h. Bei der Betriebserlaubnis ist allerdings eine Toleranz von rund zehn Prozent zulässig — und der ZT3 Pro nutzt sie voll aus. Die 22 auf dem Display sind also weder eine ungenaue Anzeige noch eine Manipulation, sondern der legale Rahmen bis zur Oberkante.
Zwei Kilometer pro Stunde klingen nach nichts. Auf meinen 22 Kilometern Arbeitsweg sind es sechs Minuten pro Strecke, also zwölf am Tag. Bei zwei Monaten täglichem Pendeln ist das der Unterschied zwischen „geht gerade so” und „ich stehe noch früher auf”.
Viele Scooter lassen diese Toleranz liegen und riegeln bei glatten 20 ab. Das ist einer der Punkte, die man vor dem Kauf nicht sieht und nach 3.000 Kilometern täglich spürt.
Und was am Berg wirklich zählt
Auf die Höchstgeschwindigkeit kommt es an der Steigung ohnehin nicht an.
Worauf es ankommt: Er hält das Tempo über die gesamte Steigung. Kein Einbrechen auf halber Strecke, kein Ruckeln, kein Absacken auf Schrittgeschwindigkeit, kein Abschalten wegen Überhitzung. Wer schon mal auf einem Scooter an einem Berg langsam zum Stehen gekommen ist, während hinter ihm der Verkehr wartet, weiß, dass genau das die Eigenschaft ist, auf die es ankommt. Sie steht in keinem Datenblatt.
Wetter: das Gerät hält mehr aus als der Fahrer
Zwei Monate Pendeln ohne Auto heißt: Man fährt bei allem. Regen, Wind, Kälte, nasses Laub, Rollsplitt. Ich habe in dieser Zeit gelernt, dass die Grenze nicht beim Scooter liegt, sondern bei mir.
Am Gerät hat das nichts hinterlassen. Keine Korrosion, keine Aussetzer in der Elektrik, kein Wassereintritt. Bei mir schon: Nach 22 Kilometern im Nieselregen bei einstelligen Temperaturen kommst du nicht einfach an, du kommst durchgefroren an. Wer so pendeln will, investiert sinnvollerweise zuerst in Handschuhe und Regenzeug — nicht in Scooter-Zubehör.
Was ich in anderthalb Jahren an Wartung gemacht habe: nichts. Kein Nachziehen, kein Reifenwechsel, kein Bremsenservice, keine Pflege. Das ist keine Empfehlung — es ist die ehrliche Antwort auf die Frage, was dieses Gerät ungefragt wegsteckt.
Was nervt
Ein Punkt. Hinten klappert etwas.
Seit einer Weile, und ich habe bis heute nicht herausgefunden, was genau. Es klingt nach einer Kleinigkeit — eine Schraube, eine Abdeckung, irgendetwas, das sich gelöst hat. Auf glattem Asphalt ist es weg, auf schlechtem Untergrund hört man es deutlich.
Sicherheitsrelevant ist es nicht, aufgehalten hat es mich nie. Aber es ist da, und bei einem Gerät, an dem sonst nichts zu bemängeln ist, fällt es umso mehr auf. Ehrlicherweise: Ich hätte es längst suchen können. Nach 3.000 Kilometern ohne einen einzigen Defekt fehlt mir dafür schlicht der Leidensdruck.
Würde ich ihn wieder kaufen?
Ja. Ohne Zögern.
713 Euro, anderthalb Jahre, knapp 3.000 Kilometer, davon 2.000 im Notbetrieb bei jedem Wetter, null Reparaturen, null Ersatzteile, keine Reichweiteneinbuße. Rechne das auf den Kilometer um: rund 24 Cent Anschaffung pro Kilometer — und dieser Wert sinkt mit jeder Fahrt weiter.
Das Einzige, worüber ich nachdenke, ist der Akku. Im GT3 sitzt ein baugleicher Akku mit 899 Wattstunden statt 597 — das sind gut 50 Prozent mehr Kapazität.
Auf meinen gemessenen Verbrauch umgerechnet wären das 53 bis 60 Kilometer real statt 35 bis 40. Damit läge mein Arbeitsweg hin und zurück in einer Ladung, und mein einziger täglicher Kompromiss — das Zwischenladen auf der Arbeit — wäre erledigt.
Ausprobiert habe ich es noch nicht, und ob die Elektronik den größeren Akku sauber annimmt, steht in keinem Datenblatt. Wenn ich es mache, schreibe ich es auf — mit Zahlen, nicht mit Vermutungen.
Die Herstellerangaben, und was davon im Alltag übrig bleibt
| Angabe | Datenblatt | bei mir nach 3.000 km |
|---|---|---|
| Reichweite | bis 70 km | 35–40 km |
| Verbrauch | rechnerisch 8,5 Wh/km | rund 16 Wh/km |
| Höchstgeschwindigkeit | 20 km/h | 22 km/h — zulässige Toleranz voll ausgenutzt |
| Steigung | bis 25 % | Henninger Turm ohne Einbruch |
| Akku | 597 Wh | keine messbare Alterung |
| Gewicht | 29 kg | kein Treppenträger |
| Zuladung | 120 kg | — |
| Bremsen | zwei Scheibenbremsen | nie nachgestellt |
Die 29 Kilogramm sind der Wert, den man beim Kauf am ehesten übersieht. Das Ding trägst du nicht mal eben in den vierten Stock. Wenn du keinen ebenerdigen Abstellplatz hast, ist das ein Ausschlusskriterium — unabhängig davon, wie gut er fährt.
Für wen sich das lohnt
Der ZT3 Pro ist kein Scooter, den man kauft, um damit gesehen zu werden. Er ist einer, den man kauft, um zu fahren.
- Passt, wenn deine Strecke unter 35 Kilometern liegt oder du am Ziel laden kannst.
- Passt, wenn du Steigungen im Weg hast — der Antrieb hält, was er verspricht.
- Passt, wenn dir die zwei Stundenkilometer über der glatten 20 etwas wert sind. Auf langen Strecken summieren sie sich.
- Passt nicht, wenn du 40 Kilometer am Stück ohne Zwischenstopp brauchst. Halbiere die Herstellerangabe, dann siehst du es vorher.
- Passt nicht, wenn du ihn regelmäßig Treppen hochtragen musst. 29 Kilogramm.
- Passt nicht, wenn dich ein Klappergeräusch auf schlechtem Asphalt wahnsinnig macht.
Und wenn dir mal für zwei Monate das Auto wegbricht, merkst du, dass so ein Ding im Keller keine Spielerei war, sondern ein Plan B, den du nur noch nicht so genannt hast.


