Am 5. Mai hat mein Home Assistant aufgehört zu laufen. Gemerkt habe ich es im August.
Das ist kein Versehen, das ich hier kleinredend gestehe. Das ist der interessanteste Teil der Geschichte. Drei Monate lang lief die Steuerzentrale meines Hauses nicht, und mein Alltag hat sich exakt an einer einzigen Stelle verändert:
Mein Stadion hat nicht mehr geblinkt, wenn Dortmund ein Tor geschossen hat.
Das war es. Kein Licht, das nicht anging. Keine Heizung, die falsch lief. Nichts, was ich vermisst hätte. Nur ein Modell, das bei einem Tor aufleuchten soll und es nicht mehr tat.
Warum es überhaupt gestorben ist
Home Assistant lief bei mir in der Cloud, auf einem gemieteten Server. Das klingt erstmal vernünftig: läuft immer, von überall erreichbar, kein Gerät zu Hause, das man pflegen muss.
Es ist trotzdem der falsche Ort, und zwar aus einem Grund, den man nicht wegkonfigurieren kann.
Smart-Home-Geräte melden sich per Rundruf im lokalen Netz. Lampen, Steckdosen, Fernseher, Drucker, Luftreiniger — die schreien alle „hier bin ich” ins eigene Netz hinein. Und diese Rundrufe verlassen das lokale Netz nicht. Sie überqueren keinen Router, und sie überqueren auch keinen VPN-Tunnel.
Ein Server im Rechenzentrum hört davon nichts. Er kann nur die Geräte ansprechen, denen man von Hand eine feste Adresse eingetragen hat. Alles andere ist für ihn unsichtbar.
Im Protokoll sah das im Minutentakt so aus:
Failed to connect to device ...
MQTT connection timed out after 10 seconds
Monatelang. Ohne dass es jemandem aufgefallen wäre — mir am allerwenigsten.
Der Umzug: zwei Stunden, davon anderthalb Kleinkram
Am 7. August habe ich es auf meine Synology geholt. Die steht im Wohnzimmer-Netz, also genau da, wo die Geräte auch sind.
Die reine Arbeit — Konfiguration einpacken, rüberschieben, starten — war in einer halben Stunde erledigt. Der Rest ging für Dinge drauf, die mit Home Assistant nichts zu tun haben:
Das Kopieren ging nicht. Der Standardbefehl brach mit „Zielverzeichnis existiert nicht” ab, obwohl das Zielverzeichnis offensichtlich existierte. Ursache ist ein neueres Übertragungsverfahren, mit dem das Betriebssystem meines NAS nicht klarkommt. Umweg: Daten packen und durch die Verbindung schieben, statt eine Datei zu kopieren.
Ich kam nicht rein. Das Passwort war weg, und der Zurücksetz-Befehl funktioniert nur bei gestopptem Dienst — sonst überschreibt der laufende Prozess die Änderung sofort wieder. Das habe ich auf die harte Tour gelernt.
Ein Ordner fehlte. Die Konfiguration verwies auf ein Verzeichnis für Farbschemata, das beim Packen leer war und deshalb gar nicht mitkam. Start abgebrochen, eine Zeile Fehlermeldung, zehn Minuten Sucherei.
Kein einziges dieser Probleme war interessant. Zusammen waren sie eineinhalb Stunden.
Was danach kam
Einmal am richtigen Ort, ist es eskaliert. Aus einer toten Installation wurden 473 Geräte und Werte auf acht Übersichtsseiten: Zuhause, Beleuchtung, Räume, Aquarium und Garten, Fußball, Netzwerk, Fernsehen, System.
Das ist das eigentliche Muster hinter dem ganzen Text: Drei Monate lang habe ich nichts vermisst — und zwei Wochen nach dem Umzug baue ich Dashboards. Nicht weil ich es plötzlich brauche. Sondern weil es endlich funktioniert und deshalb Spaß macht.
Man baut nicht, was man braucht. Man baut, was geht.
Ein Fehler, der aussah wie ein Defekt
Die Kacheln meines NAS standen still. Prozessorlast, Temperaturen, Speicherbelegung — alles eingefroren.
Ursache: Die zuständige Anbindung fragt das NAS fest alle 15 Minuten ab. Nicht einstellbar, die Option wurde vom Hersteller entfernt. Gemessen war ein Wert 709 Sekunden alt.
Behoben mit einer eigenen kleinen Regel, die 54 Werte jede Minute aktualisiert. Danach: rund 60 Sekunden statt 709.
Auf dem Weg dahin bin ich in eine hübsche Falle gelaufen. Es gibt ein Feld „zuletzt gemeldet”, und das sah bei den meisten Werten uralt aus. Ich hielt das für den Beweis, dass nur die Prozessorlast aktualisiert wird.
Falsch. Das Feld wandert nur, wenn sich der Wert ändert. Eine Festplattentemperatur, die seit Stunden 38 Grad hat, sieht darin aus wie tot. Wer Frische messen will, muss einen Wert nehmen, der ständig schwankt.
Und die Sache mit der KI
Ich wollte einen Sprachassistenten, der nicht nur auswendig gelernte Befehle versteht. Naheliegend war, ein großes Sprachmodell direkt in Home Assistant einzuhängen.
Das hat nicht funktioniert. Nicht technisch — jede einzelne Anfrage lief in die Kontingentgrenze meines Kontos. Und der Umweg über einen anderen Rechner hilft dabei nicht: Das Limit hängt am Konto, nicht an der Maschine.
Was jetzt läuft, ist eine Aufteilung, mit der ich sehr zufrieden bin:
| Was | Wie lange |
|---|---|
| „Mach das Licht im Kino aus” | 0,1 bis 0,2 Sekunden, komplett ohne KI |
| Frei formulierte Frage | rund 24 Sekunden, lokales Modell auf dem Mac mini |
Der Punkt ist die erste Zeile. Ein exakter Befehl braucht keine künstliche Intelligenz, er braucht eine Zuordnung. Mein Fehler vorher war, dass alles an das große Modell ging, auch „Licht aus”. Das ist, als würde man für jede Rechenaufgabe einen Taschenrechner bestellen lassen.
Die andere Erkenntnis war grundsätzlicher: **KI in Home Assistant funktioniert bei mir nicht. KI auf Home Assistant funktioniert hervorragend.**
Der eingebaute Sprachassistent kann grundsätzlich nur bedienen — Geräte schalten, Zustände abfragen. Er kann keine Automatisierung anlegen, kein Dashboard umbauen, keine Anbindung einrichten. Das ist Absicht des Herstellers, keine Einstellungssache.
Also habe ich es andersherum gebaut: ein kleines Kommandozeilen-Werkzeug, das von außen auf Home Assistant zugreift. Damit kann ich vom Handy aus tatsächlich einrichten, nicht nur schalten. Automatisierungen anlegen, Dashboards ändern, Fehlerprotokolle lesen.
Der Unterschied zwischen „die KI sitzt im System” und „die KI bedient das System von außen” hat sich als der entscheidende herausgestellt.
Der Fernzugriff, um den ich mir umsonst Sorgen gemacht habe
Der eine Punkt, der mich beim Umzug aus der Cloud ins Haus wirklich beschäftigt hat: Komme ich von unterwegs noch dran?
Antwort: ja, unverändert, ohne einen einzigen Handgriff. Der VPN-Tunnel nach Hause lief vorher und läuft nachher. Ich merke im Alltag null Unterschied.
Rückblickend war das die Sorge, die am wenigsten begründet war — und der Grund, warum der Umzug drei Monate liegengeblieben ist.
Was bleibt
Die Anlage steht jetzt da, wo sie hingehört, und macht mehr als vorher. Die Frage, die mir seitdem im Kopf herumgeht, ist trotzdem eine andere.
Drei Monate tot, und aufgefallen ist es an einem blinkenden Stadion.
Das heißt nicht, dass Smart Home Unsinn ist. Es heißt, dass ich sehr genau unterscheiden sollte zwischen dem, was ich brauche, und dem, was ich gebaut habe, weil es ging. Und dass der ehrlichste Nutzungstest darin besteht, das Ding einfach mal ausfallen zu lassen.
Nicht absichtlich. Aber wenn es schon passiert, sollte man hinterher nachsehen, was einem wirklich gefehlt hat.
Bei mir: ein Tor-Licht.


