Wenn ich das Heimkino frisch eingemessen habe, lege ich als Erstes diese Scheibe ein. Nicht aus Nostalgie, sondern weil ich bei Oblivion nach ein paar Minuten hoere und sehe, ob etwas nicht stimmt. Der Film ist meine persoenliche Referenz in Sachen Bild und Ton, und genau deshalb ist er der erste Prueflauf nach jeder Aenderung an der Kette.
Zur Einordnung, mehr nicht: Joseph Kosinski schickt Tom Cruise als Techniker auf eine verwuestete Erde, wo er Verteidigungsdrohnen wartet und auf eine Astronautin in einer abgestuerzten Rettungskapsel trifft. Was danach passiert, stellt sein Weltbild infrage. Mehr verrate ich nicht, der Film lebt davon.
Bild
Auf der Huelle steht 1080p HDR. Das ist eine Angabe, die ich so nicht aufloesen kann, und ich schreibe das lieber hin, als es glattzubuegeln: Eine UHD-Scheibe mit 1080p-Vermerk ist zumindest ungewoehnlich, und ich habe die EAN nicht gelesen, kann die Pressung also nicht sauber zuordnen. Was ich sagen kann, ist, was aus dem Player kommt und wie es auf meinen beiden Geraeten aussieht.
Am OLED ist das meine Referenz. Punkt. Die Kombination aus dem gleissenden Weiss der Sky Tower-Umgebung und den dunklen Passagen ist genau das, was ich sehen will, wenn ich pruefe, ob ein Panel oder eine Einstellung Mist baut. Wenn irgendwo Schwarzwerte absaufen oder Lichter zulaufen, faellt es hier sofort auf, weil ich weiss, wie es aussehen soll.
Am Beamer dasselbe Bild in gross, und auch da bleibt es meine Referenz. Das ist bei Projektion nicht selbstverstaendlich: Viele Scheiben, die am OLED brillieren, verlieren auf der Leinwand ihre Struktur, weil ihnen ohne die Spitzenhelligkeit die Plastizitaet abhandenkommt. Bei Oblivion passiert das nicht. Die Aufnahmen in Island tragen die Groesse, und die Innenaufnahmen bleiben durchgezeichnet, statt in einen milchigen Grauschleier zu kippen.
Ton: deutsch gegen Original
Hier wird es interessant, und hier liegt fuer mich der eigentliche Wert der Scheibe. Was auf der Huelle steht:
- Deutsch: Dolby TrueHD 7.1, verlustfrei
- Englisch: DTS 7.1, komprimiert
Das ist eine Konstellation, die man selten so herum sieht. Normalerweise ist es der Originalton, der die verlustfreie Spur bekommt, und die deutsche Fassung muss mit der komprimierten Variante auskommen. Hier steht es andersherum auf der Huelle, und ich nehme die Angabe erst einmal so, wie sie da steht.
Wichtig: Ich sage damit nicht, dass die deutsche Spur deshalb automatisch besser klingt. Ich habe die beiden Spuren nicht gegeneinander protokolliert, sondern den Film gehoert, und was ich dazu sagen kann, ist eine Beobachtung ueber die Abmischung, nicht ueber den Codec. Die Abmischung ist extrem gut, und das ist der Grund, warum mir der Film Spass macht, auch nach dem x-ten Durchlauf. Die Drohnen bewegen sich sauber durch den Raum, statt einfach nur laut zu sein. Der Score von M83 liegt breit auf der Front, ohne die Dialoge zu erschlagen. Der Bassbereich ist praesent, aber nicht aufgeblasen, und genau das ist der Grund, warum ich ihn zum Einmessen nehme: Ein Subwoofer, der zu hoch steht, faellt bei diesem Film sofort auf.
Was ich also ehrlich hinschreibe: Die Huelle sagt, deutsch ist verlustfrei und englisch komprimiert. Ob man den Unterschied im Blindtest hoert, habe ich nicht geprueft. Wer auf Originalton besteht, bekommt hier zumindest auf dem Papier die schwaechere technische Spur, was bei einem Film mit diesem Sounddesign aergerlicher ist als bei einem Dialogstueck. Wer beim deutschen Ton bleibt, muss sich technisch keine Sorgen machen.
Ausstattung
Sparsam ist der richtige Ausdruck. Amaray-Huelle, Warner als Label, 124 Minuten Laufzeit. Zur Ausstattung an Bonusmaterial kann ich nichts Belastbares sagen, das habe ich mir bei dieser Scheibe schlicht nie angesehen, weil sie bei mir eine andere Aufgabe hat. Die EAN habe ich nicht erfasst, ich kann die Ausgabe also nicht eindeutig einer bestimmten Auflage zuordnen. Wer gezielt eine bestimmte Pressung sucht, sollte das vor dem Kauf selbst pruefen.
In meiner Sammlung steht die Scheibe im Wohnzimmer, Turm 5, Ebene 2, Platz 7. Das ist bewusst eine Position, an die ich schnell drankomme, weil ich sie oefter in der Hand habe als fast jede andere.
Fazit: Scheibe oder Streaming
Klare Sache: Scheibe, und zwar die UHD.
Das ist bei mir kein Sammlerreflex, sondern hat einen praktischen Grund. Ein Film, den ich als Referenz benutze, muss konstant sein. Auf der Scheibe liegt jedes Mal derselbe Datenstrom, mit derselben Tonspur, in derselben Qualitaet. Beim Streaming weiss ich nicht, welche Bitrate ich gerade bekomme, ob die Tonspur objektbasiert oder als 5.1-Fassung ausgeliefert wird und ob sich das naechsten Monat aendert. Zum Filmschauen mag das egal sein. Zum Einmessen ist es das nicht, weil ich dann nicht mehr unterscheiden kann, ob eine Veraenderung von meiner Anlage oder von der Zuspielung kommt.
Und selbst wenn man das Einmessen weglaesst: Oblivion ist ein Film, bei dem Bild und Ton einen grossen Teil der Wirkung tragen. Bei sowas nehme ich lieber die Scheibe, bei der ich weiss, was drauf ist. Zumindest beim Ton weiss ich es hier laut Huelle sehr genau, bei der Bildangabe bleibt der 1080p-Vermerk eine offene Frage, die ich hier nicht aufloese.


