Nobody auf UHD Blu-ray: Dolby Vision, die Bus-Szene am OLED und auf 100 Zoll, und warum die deutsche TrueHD-7.1-Spur besser dasteht als erwartet.
Regie: Ilja Naischuller. Action, Thriller, 2021.
Der Film in drei Sätzen
Bob Odenkirk als Familienvater, den alle übersehen, bis er zurückschlägt. Klingt nach Standard-Rache-Action, ist aber deutlich handgemachter als der Großteil des Genres: Die Kämpfe sind eng, dreckig und ohne Schnittgewitter inszeniert, man sieht was passiert. Genau deshalb funktioniert der Film auch beim zweiten Mal noch, wenn die Überraschung längst weg ist.
Und ja, verdammt nochmal: die Action ist echt gut gemacht.
Bild am OLED
Die Scheibe liefert 2160p in 2.39:1 mit Dolby Vision und HDR10. Am 65-Zoll-OLED ein durchweg gutes Bild, die Effekte sitzen, nichts wirkt matschig, kein auffälliges Banding in den vielen dunklen Innenräumen. Kein Referenz-Demomaterial, aber ein solider, sauberer Transfer, der der Kameraarbeit nicht im Weg steht.
Bild auf der Leinwand
Auf 100 Zoll wird es interessanter, und zwar an der Stelle, die jeder aus dem Film kennt: die Bus-Szene. Was am 65-Zöller noch als schneller Schlagabtausch durchgeht, zerfällt auf der Leinwand in Details. Wer wo steht, was gerade wirklich passiert, wie viel Choreografie da drinsteckt. Der Film gewinnt durch die Größe, er verliert nichts. Das ist bei dunkler Action auf Projektion nicht selbstverständlich.
Ton deutsch gegen Original
Das Original ist Dolby Atmos. Die deutsche Fassung: Dolby TrueHD 7.1, und das ist eine bessere Nachricht, als es auf dem Papier klingt.
Denn genau hier wird bei deutschen Fassungen normalerweise gespart. Üblich ist ein verlustbehafteter Downgrade auf Dolby Digital 5.1 oder DD+ 7.1, während das Original lossless bleibt. Hier nicht: TrueHD ist verlustfrei, und 7.1 statt 5.1 heißt zusätzlich, dass die hinteren Kanäle diskret vorliegen. Was der deutschen Spur fehlt, ist nur der Objekt-Layer von Atmos, also die Deckenkanäle, nicht die Qualität. Zum Vergleich: Spanisch und Ungarisch bekommen DD+ 7.1, Italienisch sogar nur Dolby Digital 7.1. Deutsch ist auf dieser Scheibe die zweitbeste Spur, mit Abstand.
Und der fehlende Höhen-Layer lässt sich gut auffüllen. Gehört habe ich auf Deutsch über den Auro-3D-Upmixer am Marantz, und der Unterschied ist deutlich: mehr Raum, mehr Atmosphäre, die Höhenkanäle machen etwas Sinnvolles statt nur mitzulaufen. Wer eine 5.1.2- oder 5.1.4-Anlage hat und die deutsche Spur nimmt, sollte den Upmixer nicht ungenutzt lassen. Mit einer verlustfreien 7.1-Basis hat er auch ordentliches Material zum Arbeiten. Das ist der Fall, in dem man das Original nicht braucht, um zufrieden zu sein.
Ausstattung und Label
Universal, schlichtes Amaray. Keine Sammler-Verpackung, kein Mediabook. Film und fertig.
Scheibe oder Streaming?
Scheibe. Bei einem Film, der so stark von sauberer Bewegung und Detail in dunklen Szenen lebt, ist die UHD das Geld wert. Genau da fällt Streaming-Kompression zuerst auf, und die Bus-Szene will man nicht in Artefakten sehen.


